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arv an Pressekonferenz «Gemeinsam nachhaltiger bauen»
Bern, 13. April 2021

21.04.2021

Die Bauwirtschaft präsentiert ihre Erfolge bei der Kreislaufwirtschaft

Der arv ist am 13. April 2021 an einer Pressekonferenz aufgetreten zusammen mit FSKB, cemsuisse und SBV, um gemeinsam die Erfolge zu präsentieren, die von den Branchenverbänden bei der Kreislaufwirtschaft erzielt wurden. Die vertretenen Branchenverbände zeigten mit ihren Präsentationen auf, dass Kreislaufwirtschaft in der Bauwirtschaft kein Neuland ist.

Gian-Luca Lardi, Präsident des Baumeisterverbands, eröffnete die Pressekonferenz mit einer einleitenden Erklärung der Ausgangslage. Kreislaufwirtschaft in der Bauwirtschaft sei für die Akteure aus der Baubranche nichts Neues. In der Politik und der Gesellschaft nehme das Thema jedoch nur langsam Fahrt auf. Lardi unterstrich, dass die Verwertungsquote von Aushub- und Ausbruchmaterial bei 75% liege, machte aber auch deutlich, dass immer noch 5 Millionen Tonnen Rückbaumaterial in Deponien oder KVA geführt würden und der Anteil an Recyclingbeton gerade mal bei 15 Prozent liege. Der Begriff «Deponie» sei heute negativ behaftet und Lardi erläuterte das Konfliktpotenzial rund um das Thema Deponieraum für die Kantone mit der Bevölkerung. Was Recycling-Material anbelangt, so würden Private wie auch öffentliche Bauherren dieses scheuen, obwohl dessen Leistungsfähigkeit längst wissenschaftlich bestätigt sei. Lardi betonte zum Schluss, dass eine ganzheitliche Betrachtung und die Schliessung von Stoff- und Energiekreisläufen für eine konsequente Kreislaufwirtschaft nötig seien. Hierfür brauche es von Seiten der Politik allerdings wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen anstelle von weiteren Regulierungen.

KREISLAUFWIRTSCHAFT IN DER ZEMENTINDUSTRIE

Auch Gerhard Pfister, der Präsident von cemsuisse forderte, dass die Beiträge der privatwirtschaftlichen Unternehmen zur Kreislaufwirtschaft nicht durch staatliche Aktivitäten gefährdet werden dürften. Er zeigte mit verschiedenen Beispielen die wichtige Rolle der Zementindustrie auf, in denen Abfälle als Alternative zu Roh- und Brennstoffen verwertet werden, wo sie Teil des Produkts werden und somit wieder in den Kreislauf zurückkehren.

RECYCLING UND MATERIALRESERVEN:
DIE SICHT AUF DEN GESAMTEN LEBENSZYKLUS EINES PRODUKTES

Daniel Kästli, Vizepräsident des Fachverbands der Schweizerischen Kies- und Betonindustrie stellte fest, dass Kreislaufwirtschaft häufig mit Recycling gleichgesetzt werde und dies greife zu kurz. Der wichtigste Ansatzpunkt sei der ökologische Fussabdruck für die Förderung der Kreislaufwirtschaft. Es gehe darum, ein gesamthaftes Schliessen der Kreisläufe anzuvisieren und er sprach dabei die verschiedenen Ebenen auf technischer wie ökologischer Seite an. Recycling gehöre dazu und es gehe darum, sich stetig zu verbessern. Kästli erklärte aber auch, dass wir ebenfalls in Zukunft auf die Materialreserven angewiesen sein werden und es gehe nicht nur darum die Recyclingquoten zu steigern, sondern auch darum, in die Steigerung der Qualität, Energieeffizienz und Klimafreundlichkeit zu investieren. Um die gesamte ökologische Auswirkung zu ermitteln, benötige man eine gesamthafte Umweltproduktedeklaration, die auf dem gesamten Lebenszyklus eines Bauwerkes mit seinen Produkten basiere. Es sei wichtig, dass die Baustoffe nicht nur technische, sondern auch biologische Kreislauffähigkeiten besitzen, das heisst, dass keine problematischen Zusatzstoffe darin enthalten sein dürfen; Recycling fange beim Planen des Bauproduktes und beim Design an.

DER ARV: BAUSTOFFRECYCLING – TATEN UND HERAUSFORDERUNGEN

Für den arv ergriff Kurt Morgan, arv Präsident a.i., das Wort, um die Sicht des Branchenverbands für Baustoffrecycling an die Presseleute zu vermitteln. Das Ziel des arv sei es, seit der Verbandsgründung auf Privatinitiative vor 30 Jahren, die Kreisläufe zu schliessen und die Qualität der Sekundärbaustoffe zu fördern. Damit stärkt der Verband die Ressourceneffizienz und sorgt dafür, dass weniger Ressourcen verbraucht werden und dass der knappe Deponieraum geschont wird. Kurt Morgan betonte, dass dabei wichtig sei, die Schadstoffe im Voraus auszuschleusen. Er stellte das längst bewährte Mehrmuldenkonzept vor – eine gemeinsame Entwicklung vom arv und SBV in den neunziger Jahren – und erklärte den Vorgang der Sortierung in den Anlagebetrieben, damit die Baustoffe wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden können. Die Verbandsmitglieder hätten über die Jahre in der Schweiz ein flächendeckendes Netz an leistungsfähigen Recyclinganlagen erstellt, um hochwertige Produkte herzustellen. Die eingesetzten Techniken werden laufend verbessert, sodass der Stand der Technik kontinuierlich vorangetrieben wird.

Enormes Steigerungspotential bei der Verwendung von Recyclingbaustoffen
Trotz dem bereits hohen Rückführungsgrad, besteht noch ein enormes Steigerungspotenzial bei der Verwendung von Recyclingbaustoffen in Anbetracht der sehr grossen Mengen an Rückbaumaterialien, die anfallen. Dies schilderte Morgan bildlich, indem er die Menge an RC-Granulaten, welches auf den Lagerplätzen liegt, mit dem Matterhorn verglich. Doch er führte auch auf, dass bereits 1680 Gebäude in der Schweiz erstellt und zertifiziert wurden, die über 50% RC-Beton beinhalten.

Vorbildfunktion öffentliche Hand
Wichtig sei die Vorbildunktion der öffentlichen Hand, also Bund, Kantone und Gemeinden, die viel zur Akzeptanz von Sekundärbaustoffen im Hochbau, Tiefbau und Strassenbau beigetragen habe. Ein klares Signal in diese Richtung habe auch der Bund gegeben mit seiner Annahme der Motion Schilliger/Wasserfallen.

Herausforderung Strassenbeläge
Als eine grosse Herausforderung für das Recycling nannte Kurt Morgan die Strassenbeläge: Um höhere Verwertungsquoten zu erreichen habe der arv gemeinsam mit dem Fachverband der Zürcher Kies- und Betonproduzenten (FKB Zürich), der Baudirektion des Kantons Zürich und in Zusammenarbeit mit der Berner Fachhochschule unter der Plattform «Kies für Generationen» einen Standard erarbeitet – die Best Practice Guideline «Wiederverwendung Ausbauasphalt und Einsatz Niedertemperaturasphalt». 12 Kantone haben sich bereits daran angeschlossen. Auch die Recyclingunternehmer würden nicht stillstehen, so Morgan, investiert werde ständig in neue Technologien, um die Emissionen in der Logistik und Produktion zu senken.

GEMEINSAMER AUFTRITT FÜR EINEN GEMEINSAMEN WEG

Der gemeinsame Auftritt der vier Verbände aus der Bau-, Kies- und Beton- sowie Recyclingbranche hatte zum Ziel, aufzuzeigen, dass das Thema der Kreislaufwirtschaft in diesen Kreisen einen wichtigen Platz einnimmt und dass die Unternehmen bereits viel investieren und sich stark engagieren. Beleuchten sollte es aber auch die verschiedenen Sichtweisen und Interessen und nicht zuletzt auch die Grenzen und Hemmnisse, die eine Förderung und Beschleunigung einer kreislauffähigen Bauwirtschaft ausbremsen. Die Akzeptanz in der Bevölkerung für RC-Materialien wächst zwar stetig, jedoch schwindet sie, wenn es um das Bereitstellen von Plätzen geht, wo Abfälle angenommen, sortiert und aufbereitet werden. Das Raumplanungsgesetz behandelt das Thema sehr restriktiv. Deshalb müssen herrschende Zielkonflikte gelöst werden, damit die Existenz der Produktionsstandorte von Recyclingmaterialien nicht gefährdet wird.

Die Erfolge des Fachverbands arv und dessen neutralen Inspektorats zeigen auf, dass auf Privatinitiative in Zusammenarbeit mit den Branchenakteuren und den Behörden sehr viel Positives zu erreichen ist, ohne enges Regulierungskorsett. Die nötige Transparenz und Zuverlässigkeit des Produktions- und des Kontrollsystems sind wichtige Eckpfeiler unserer täglichen Arbeit und derjenigen unserer arv-Mitglieder.

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